Oper – Operette – die Stimme – der Name?

Kabarett

Vorweg, ich bin 55 Jahre alt, zumindest am Papier, geistig fühle ich mich um Lichtjahre jünger und körperlich – ja das hängt vom Vortag ab, wann ich ins Bett gekommen bin, ob ich gut geschlafen habe, ob ich durchgeschlafen habe, ob der Kaffee in der Früh stark genug war, ob meine Katzen mich geärgert haben und noch vieles mehr.

Gestern war ich im Theater, ich habe mir eine Operette angeschaut. Von Zeit zu Zeit kommt es vor, da gehe ich ins Theater, ich gehe gerne dorthin, ich schau mir auch gerne Opern an, ich mag klassische Musik. Ich mag es, wenn die Stimmen mächtig klingen, die Darsteller auf der Bühne sich alles ins Gesicht singen und selbst der einfachste Mord sich über eine gefühlte Ewigkeit zieht. Ich mag es, wenn das kindliche Gefühl vom Kasperl und dem bösen Krokodil hochkommt – das böse Krokodil steht gut sichtbar in der Ecke der Bühne und der Kasperl sieht es nicht und die Kinder schreien schon aus voller Kehle und der Kasperl kriegt es immer noch nicht mit. Und bei der tragischen Oper ist es ähnlich und ich möchte dem Helden auch am liebsten zurufen, das ist der Bösewicht. Aber ich halte es dann doch mit Klaus Eckel: Das habe ich ihm ins Gesicht gedacht.

Ich mag die klassischen Inszenierungen, die dem Zeitgeist der Entstehungszeit des Stückes entsprechend, teilweise opulent, teilweise reduziert, aber nahe am Stück. Ich brauche bei einer Oper aus dem 18. Jahrhundert keine NS Uniformen auf der Bühne und bei der Zauberflöte muss es eine kitschige Darstellung sein. Eine Operette kann durchaus verspielt sein, Anspielungen auf die Jetztzeit sind ok. Aber kindisch, kindisch soll sie nicht sein. Und die menschliche Gesangsstimme sollte gerade bei den musikalischen Aufführungen doch immer noch im Mittelpunkt stehen. Wann wurde es populär, dass der Name des Künstlers klingender ist als seine Stimme? Warum tritt ein ausgezeichneter Schauspieler in einer Operette auf, wenn er nicht singen kann? Das kommt mir vor wie wenn ein Nichtschwimmer einen Triathlon bestreiten möchte. Und wenn wir schon bei der Schwimmmetaphern sind: Warum kommen bei jeder Operettenaufführung, die ich in den letzten 3 Jahre besucht habe, Schwingflügel und Flossen vor? 

Aber nichts desto trotz, ich genieße die Abende mit klassischen Melodien, lasse mich gerne in eine Welt vor meiner Zeit – und die gibt es noch – verzaubern, werde mich manchmal weiterhin wundern, aber mich verführen lassen, denn mal ganz offen unter uns Frauen – ein moderner Don Giovanni (der auch noch göttlich singen kann) mit gut trainiertem Oberkörper hat schon was 😉

In diesem Sinne, freu dich des Lebens
Deine 
Sabine

 

 
 

 

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